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Kreisverband Schweinfurt-Land

Aktuelles aus dem Kreisverband

Der BLLV-Kreisverband Schweinfurt-Land wird 150 Jahre alt 

Festakt am Samstag in Gochsheim

KREIS SCHWEINFURT (hof)  Mit einem Festakt feiert der BLLV-Kreisverband Schweinfurt-Land (Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband) am kommenden Samstag in der Gochsheimer Mittelschule seinen 150.Geburtstag. Anlass, auf  die vergangenen 15 Jahrzehnte zurückzublicken.

Die Wiege des BLLV-Kreisverbandes stand in Sennfeld. Hier wurde 1863 der erste BLV-Bezirksverein (Bayerischer Lehrerverein) im königlichen Bezirksamt Schweinfurt gegründet, anfangs mit 22 Mitgliedern und dem Vorstand Lehrer Geßler aus Madenhausen. Dieser Bezirksverein Sennfeld umfasste den evangelischen Schuldistrikt Schweinfurt. Daneben gab es mit Schweinfurt und Werneck noch zwei katholische Distrikte. Hier kam es später zur Gründung der Bezirkslehrervereine Schonungen und Werneck. 1873 schlossen sich Schonungen und Sennfeld zusammen und nannten sich jetzt Bezirksverein Schweinfurt-Land. Bereits 1861 war mit dem BLV (Bayerischer Lehrerverein) der Landesverband gegründet worden.

Zweck der Lehrervereine waren Fortbildungen und standespolitische Ziele, wie beispielsweise die Abschaffung der geistlichen Schulaufsicht oder eine dem Lehrerberuf entsprechende wissenschaftliche Bildung. Die Schulen waren zum größten Teil einklassig, das heißt, jeder Lehrer war der einzige im Ort. Er konnte sich nicht mit Kollegen unterhalten oder Erfahrungen austauschen, was gerade in diesem Beruf notwendig ist. Die Lehrervereine hielten monatlich eine Konferenz ab, zu der man entweder per Fahrrad oder durch einen stundenlangen Fußmarsch kam und die sehr gut besucht waren. Fort- und Weiterbildung standen im Mittelpunkt. Themen waren beispielsweise Disziplin, Leseunterricht, Musik, biblische Geschichte oder der Turnunterricht.

In den einklassigen Schulen hatte der Lehrer gleichzeitig mehrere Aufgaben zu bewältigen. So schreibt Hauptlehrer Benno Ziegler, Mitglied im Wernecker Lehrerverein, im Jahr 1924: „Mit Beginn des neuen Schuljahres (im April) trat ich die Schulstelle für die Oberklasse 5.bis 7.Schuljahr für den pensionierten Oberlehrer Weigand an. Zugleich hatte ich die Geschäfte des Schulleiters zu versehen. Außerdem oblag mir die landwirtschaftliche Berufsschule an den Sonntagvormittagen von 7 bis 9 Uhr für die Knaben und der Organistendienst an den Sonn- und Werktagen.“ Manche Lehrer mussten noch als Gemeindeschreiber tätig sein.

Nach der Machtübernahme 1933 betrieb der Nationalsozialismus die Gleichschaltung aller bestehenden Organisationen, was auch den BLV und seine Unterorganisationen betraf. Der „Nationalsozialistische Lehrerbund“ trat an Stelle der Lehrervereine, die Zeit der freien Zusammenkünfte war vorbei. Die Lehrer wurden vom NS-Regime bevorzugt zu NS-Aufgaben herangezogen. Man darf hier auch nicht verschweigen, dass sich auch Lehrer besonders im Nationalsozialismus engagiert für das braune Regime hervorgetan haben.       

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1947 der Lehrerverband in Schweinfurt wieder gegründet. Stadt und Kreis waren anfangs vereint, bevor 1948 ein eigener Kreisverband Schweinfurt-Land entstand. Dessen Vorsitzender war Karl Meisch von 1948 bis 1953. Die Mitgliederzahl stieg von 68 (1948) auf 156 (1950). Viele heimatvertriebene Lehrer waren beigetreten. Beibehalten wurden die monatlichen Lehrervereinstreffen.

Bildungsnotstand, der Volksentscheid zur Einführung der konfessionell gemischten Gemeinschaftsschule, Aufteilung der Volksschulen in Grund- und Hauptschulen, die Gründung von Schulverbänden auf dem Land, verbunden mit der Abschaffung der einklassigen Volksschulen, spiegeln den Umbruch im Bildungswesen während der 60iger Jahre des vorigen Jahrhunderts wider. Hier war der spätere Schulamtsdirektor Franz Schaffer (Kreisvorsitzender 1956 bis 1964) sehr stark engagiert, die aktuellen Schulverbände tragen noch seine Handschrift.  Zeitnahe Schul- und Standesprobleme wurden diskutiert und gelöst, wie beispielsweise Absenkung der Klassenstärken, Einführung einer Mobilen Reserve und die Wartelisten für Lehrer ohne Anstellung.

Im Jahr 1988 feierte der Kreisverband in Werneck seinen 125-jährigen Geburtstag. Seit 1990 führt Walter Schäffer den Vorsitz im Kreisverband. Schwerpunktthemen der BLLV-Arbeit waren beispielsweise die Einführung der 10.Klasse an Hauptschulen, jetzt Mittelschulen, mit Mittlerem Abschluss, die Aktion „Bildungspfennig“, das Volksbegehren „die bessere Schulreform“, was leider scheiterte, das erfolgreiche Volksbegehren zur Abschaffung der Studiengebühren oder die Einführung zweier Beförderungsämter für Lehrer an Grund- und Mittelschulen.

Auch im Zukunft gibt es für den BLLV noch viel zu tun: So steht die Gleichberechtigung aller Lehrämter noch aus. Weitere Informationen über die Geschichte des BLLV sind unter https://www.bllv.de/Geschichte.604.0.html nachzulesen.

Eine zweite Klasse im Jahr 1965, bestehend nur aus Jungs, denn in den Volksschulen herrschte damals noch die Geschlechtertrennung vor. REPRO HORST FRÖHLING