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Kreisverband Schweinfurt-Land

Aktuelles aus dem Kreisverband

Eine große Geburtstagsgala

BLLV feiert 150-jähriges Bestehen – und fordert Bildungsgerechtigkeit für alle

 Mit einer großen Geburtstagsgala feierte der BLLV-Kreisverband Schweinfurt-Land (Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband) sein 150-jähriges Bestehen. In seiner Festrede forderte BLLV-Präsident Klaus Wenzel Bildungsgerechtigkeit für alle.

In einem gespielten Dialog als Audienz beim König begrüßten Kreisvorsitzender Walter Schäffer und sein Stellvertreter Helmut Schmid die Gäste, darunter BLLV Ehrenpräsident Albin Dannhäuser und ULLV-Ehrenvorsitzender Fritz Schäffer. „Wir engagieren uns für Kollegen, bessere Arbeitsbedingungen, eine demokratische Erziehungsschule und dass alle Kinder in der Schule das mitbekommen, was sie für ein selbstbestimmtes Leben brauchen“, betonte Schäffer.

„Ich spüre hier die Leidenschaft und das Herzblut des BLLV“, stellte Staatssekretär Gerhard Eck fest. Der Einsatz des Verbandes für die Schule sei das Resultat engagierter Lehrer. Eck hob Bayern als Bildungsland Nummer eins in Deutschland hervor. Dem BLLV dankte er für nicht einfache, aber sehr wichtige Diskussionen.

Landrat Florian Töpper überbrachte die Grüße des Landkreises und erklärte, Schulen seien keine bloßen Zulieferer für den Arbeitsmarkt. Im Hinblick auf die demografische Entwicklung sagte er, die Zukunft des ländlichen Raumes hänge auch ab von profilierten Schulstandorten.

Bürgermeister Wolfgang Widmaier hob besonders das Engagement der Gemeinde Gochsheim für ihre Schulen als Sachaufwandsträger hervor. Er lobte die Einführung der zehnten Klasse an der Mittelschule, kritisierte auch, dass immer mehr Aufgaben vom Kultusministerium auf die Kommunen verlagert würden. Als Beispiel dafür nannte er die wichtige Jugendsozialarbeit.

Der BLLV sei mit seinen derzeit 57 000 Mitgliedern seinen ursprünglichen Zielen treu geblieben, sagte BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Dies seien das Ansehen des Lehrerberufes mit dem Ziel, der Gleichwertigkeit aller Lehrämter. Der BLLV arbeite unabhängig von politischen Parteien und werde erst Ruhe geben, wenn das Menschenrecht auf Bildung für alle eingelöst ist.

Im Blick auf die aktuelle Lage sprach Wenzel von vermurksten und schlampig durchgeführten Schulreformen, die weder vorbereitet und kommuniziert worden waren. Lernen sei mehr als das Aufsetzen eines Trichters. So sei für die Zukunft ein anderes Schulsystem notwendig, eine reformierte Lehrerbildung und ein geändertes Lern- und Leistungsverständnis.

Bei der Bildung gehe es auch um soziale und tief sitzende gesellschaftliche Verteilungskämpfe. So drohe der Elite auch der Verlust von Privilegien. Die Schule im 21.Jahrhundert müsse anders organisiert werden als vor 40 Jahren, betonte der BLLV-Präsident. Dabei müsse jedes einzelne Kind im Fokus sein. Dazu müsse der Regelfall kommen, dass zumindest phasenweise eine zweite Lehrkraft im Klassenzimmer ist.

Sahnehäubchen waren bei der Feier die Einlagen: mit einem Tanz von Schülerinnen der Mittelschule Gochsheim, einstudiert von Alan Brooks und Andrea Orth, begann die Geburtstagsfeier.

Walter Langenberger, verkleidet als alter Lehrer aus dem 19. Jahrhundert, erklärte zwei Schülerinnen, warum er jetzt zur Gründungsversammlung des BLV nach Sennfeld müsse. Er gab Einblick in die Arbeitsbedingungen dieser Zeit, als ein Lehrer 93 Werktags- und 25 Sonntagsschüler aller Klassenstufen in einem Raum beschulen musste.

Der „Grettschter Dreigesang“ unter der Leitung von Norbert Kraus sangen das Spottlied vom „Armen Dorfschulmeisterlein“.

Lehrerinnenemanzipation: Eine Lehrerin aus den zwanziger Jahren erzählte, wie die Frauen sich ihre Gleichberechtigung im Beruf erkämpft haben, hinterher gab es den „Lehrerinnenblues“.

Eine Bilderrevue über die letzten 50 Jahre rundete den offiziellen Teil ab. Für die Musik waren Andi Sauer, Rainer Gressel und Norbert Kraus verantwortlich, für Regie und Texte Marianne Mann. Die technische Leitung hatte Michael Bauer.

Zum Abschluss spielten Andres Sauer und Jürgen Eusemann das Lied „Applaus Applaus“, umgetextet zum 150. BLLV-Geburtstag.

Anschließend drehten die „Midyards“ zum Tanz auf: Nicht alltäglich dabei ist, dass der Leiter des Staatlichen Schulamts, Jürgen Eusemann, auf der Bühne steht, um mit seiner Band noch fast drei Stunden zu rocken.